Auf den Hochgrat und zurück

Montag: Der Wetterbericht sagt Gewitter vorher. Wie bereiten wir uns darauf vor? Natürlich… Bei Starkregen eine Runde laufen gehen!

Kurz nach 20Uhr den Felix vom Kickbox-Training abholen und ab in Richtung Hochgrat. Nach einer sehr kurzen ¾ Stunde bot sich uns ein Naturschauspiel der Extraklasse. Die Abenddämmerung färbt alles in ein feuriges Rot - es scheint, als würde der ganze Wald brennen. Und mitten drin strahlen uns die Flutlichter der Hochgratbahn aus den Regenwolken entgegen.
Die Vorfreude auf das Vergnügen der nächsten 90 Minuten ist fast schon übertrieben. Auf dem Parkplatz angekommen, hat auch schon der erhoffte Platzregen eingesetzt. Das angekündigte Schlechtwetterfenster von ca. 2 Stunden haben wir perfekt erwischt.

Schuhe an und dann geht’s auch schon los. Felix weicht am Anfang noch den „vereinzelt“ auftauchenden Pfützen aus, erkennt aber nach 500m auch, dass es keinen Sinn macht, wenn man von oben her schon komplett nass ist.
Die ersten 2,5 Km und 300Hm fallen Yannick noch unglaublich schwer. Die Trainingspause von einer Woche macht sich schmerzhaft bemerkbar. Felix läuft wieder mal wie auf Federn… Mittlerweile sind wir sehr froh über unsere Stirnlampen von Led Lenser, die wir trotz Vollmond mitgenommen haben. Durch die Wolkendecke und den Regen ist es fast schon stockfinster geworden.

Nach dem ersten Drittel tauschen wir den Rucksack mit den Regenjacken. Ab da läuft’s bei Yannick auch wieder gut. Die Vorfreude auf die nächsten 1,5 Km (450 Hm) ist groß. Der Fahrweg ist vorbei und der Trail beginnt. Wir haben unser Tempo gefunden und können wieder Gas geben. Felix merkt mittlerweile seine vorangegangenen 2 ½ Stunden Training was sich auf die Konzentration niederschlägt. Kurz vor der letzten Steilpassage, die schon fast einem Klettersteig nahe kommt, nehmen wir das Tempo aus Rücksicht auf die Sicherheit nochmal heraus.
Nach 43 Minuten und 750 Hm auf knapp 4km haben wir die Brunnenauscharte erreicht. Die Wolken ziehen aufgrund des Windes langsam weg und der Himmel klart leicht auf. Der Wind macht uns allerdings zu schaffen, kann uns aber die letzten 1100 Meter auch nichts mehr anhaben.

Während der Fahrt hatten wir uns klar für ein Tempo über einer Stunde ausgesprochen. Allerdings war beim Loslaufen schon klar, dass Felix Gas geben will. Yannick hatte noch die Zeit vom Letzten Mal (im Herbst) im Hinterkopf. Damals hatten wir die 950Hm in 59:30 Minuten geschafft. Da es jetzt nur noch knapp über einem Kilometer ist und wir noch 15 Minuten zu den 60 Minuten hatten, haben wir das Tempo nochmal angezogen.

Aufgrund der Dunkelheit, der Wolken und des Regens war es aber unmöglich, die Entfernung genau einzuschätzen, da die Sicht teilweise bei unter 5 Metern lag und alles außerhalb des Lichtkegels der Stirnlampe einer schwarzen Wand glich. Und plötzlich standen wir auf dem Gipfel! - 950 Hm über 5 Km in 55 Minuten und 30 Sekunden. Die Euphorie über die Wahnsinns Zeit wurde durch die Kälte schnell zunichte gemacht. Schnell die Windjacken an, Gipfelfoto machen und ab zurück ins Tal...

Aus Sicherheitsgründen sind wir nicht mit vollem Tempo den Fahrweg nach unten geschossen und haben für die 6,5 Km eine ½ Stunde gebraucht. Unten angekommen haben wir uns noch das obligatorische Bad in der Weißach gegönnt. Auf der Fahrt nach Hause haben wir beschlossen, öfters solche Aktionen zu starten. Die Ruhe am Abend, der warme Regen und die Spannung beim Lauf mit der Stirnlampe sind unheimlich schöne Momente die man viel zu selten genießt.