Erstes Trainingslager für den World's Toughest Mudder

Um uns auf den World’s Toughest Mudder in Las Vegas auch gemeinsam vorzubereiten, haben wir zum ersten Mal ein Trainingscamp an der Ostsee dafür absolviert. Neben einem sehr langen Lauf kam auch das Verwöhnprogramm nicht zu kurz.

Donnerstag, 14.05.
6.00Uhr im Süden der Republik: Es ist ein guter Tag, ein guter Tag um... ähm, in das ersehnte Trainingscamp zu starten.
Gewürzmischung runter geschlungen, Taschen im Pan America verstaut und ab Richtung Stuttgart, den Rest der Bande einzusammeln bzw. 5/7. der Reisegruppe Vegas.

Der Verkehr lief für einen Feiertag recht ordentlich und so trudelten wir "schon" nach etwas mehr als 900 gefahrenen Kilometern und gut 9 Stunden, gegen 17 Uhr in Prerow an der Ostsee ein.
Das Wetter war nahezu perfekt, etwas frisch, aber dafür blauer Himmel und Sonne.
Nachdem alle Taschen verstaut waren, ging es erst mal Richtung Strand, einen ersten Blick auf dieses wunderschöne Gewässer. Es kribbelte schon in allen Muskel-Regionen! Jeder war sich im Klaren was da die nächsten beiden Tage auf uns zu kommt! Insbesondere unsere Bodden-Umrundung mit den geplanten 80km.

USA - Vegas - Burger? Auch das gehört dazu!
Die erste gemeinsame Aktion auf der Halbinsel bestand darin, einen verdammt guten und leckeren Burger zu verdrücken. Gibt es eine bessere Einstimmung auf Vegas? Natürlich nicht!
Unsere erste Trainingseinheit am Donnerstagabend: Ein standesgemäßer Pokerabend.

Freitag, 15.05.
Trainingsbeginn 8 Uhr - 2 Stunden locker laufen auf nüchternen Magen bei perfekten Bedingungen. Unter diesen Umständen läuft es sich fast von alleine, auch wenn die Hälfte des Teams eher am Nachmittag/Abend trainiert. Einen Blick auf den Leuchtturm und das Meer - herrlich! Einzig der Captain hatte noch etwas mit einer abklingenden Erkältung zu kämpfen.

10.30 Uhr Frühstück für Sieger. Hauptthema am Tisch war natürlich die bevorstehende Tour am nächsten Tag! Außer Marcel, ist noch niemand im Team mehr als 55km gelaufen und auch das nur einmal. Wie wird sich das wohl anfühlen? Wie heftig wird sich die Vorbelastung auswirken, wir hatten ja allesamt noch den heftigen Wettkampf (Strongmanrun am Nürburgring) vom letzten Wochenende in den Knochen. Wie kann man sich ordentlich versorgen auf der Strecke? Das war auch ein Grund eine so lange Einheit in Angriff zu nehmen.

Gegen 14.00Uhr haben wir uns dann auf die Fahrräder geschwungen und sind kreuz und quer durch den wunderschönen Nationalpark gedüst, uns durch den Sand gekämpft und uns der Kamera und den Fragen von Björn gestellt. Nach gut vier Stunden ging es dann kurz unter die Dusche und direkt Richtung Abendessen.

Frischer Ostsee Dorsch, Kartoffelsalat und Salat, dazu frisch und selbstgebackenes Brot. Leckerer geht es kaum. Die Truppe hat ordentlich zugeschlagen, denn wer 80km laufen will, der muss entsprechend versorgt sein.
Mit Sonnenuntergang noch einmal eine kleine lockere Lauf-Einheit. Hier konnten wir zum ersten Mal die verschiedenen Stirnlampen unserer Partners LED Lenser ausprobieren.

Samstag, 16.05. - 80km Testlauf
6.30Uhr - Frühstück, oder sagen wir: Gezwungene Nahrungsaufnahme
Unser Versorgungsfahrrad wurde bepackt mit Kameraequipment, Wasser 1,5L pro Läufer, dazu ein paar Energie Riegel, Süßkartoffelstampf und ein paar extra Laufschuhe für einen eventuellen Wechsel. Zum Glück begleitete uns auch Maxi, um uns zu verpflegen und zu unterstützen.

7.00Uhr - Startschuss für die geplanten 80km!
Das Wetter war, sagen wir, bescheiden. Kühl, windig und man wusste nicht ob es gleich mit dem Regen los geht oder nicht. Trotzdem hätte es wesentlich schlimmer kommen können und am Ende waren wir auch froh, dass die Sonne nicht so stark schien.
Die Stimmung war gut, nur der Captain hatte noch immer etwas mit einer ausklingenden Erkältung zu kämpfen.

Die ersten 25km sind mit die schönsten dieser Tour! Waldboden, herrliche Wege, Meer und eine wunderschöne Landschaft. Entsprechend rund lief es beim Rest vom Team. Zieltempo von 5.50-6min/km konnte gut eingehalten werden, so konnte man sich auch herrlich über Gott und die Welt austauschen.

Die ersten Schlücke Wasser wurden nach gut 90 Minuten getrunken, es ging eigentlich allen so, da es nicht sonderlich warm war, war der Durst einfach auch nicht wirklich vorhanden. Dennoch fingen wir dann an, immer wieder in regelmäßigen Abständen etwas Wasser zu trinken. Energie in Form von Gels, Gel-Chips oder dem Kartoffelstampf kam erst nach gut 3 Stunden. Der Truppe war es aber, um ehrlich zu sein, eher nach einer Brezel oder einem Brötchen. Dem Wunsch kam Björn nach, nachdem wir an einem Bäcker vorbei liefen. Es war eine echte Wohltat. Es gab zwar keine Brezeln, aber dafür Brötchen und dazu Riegel! Böse Riegel! Riegle, die die Meisten von uns sonst meiden - Kitkat, Snickers und Mars standen hoch im Kurs und sorgten dafür, dass ein kleines Zwischentief von einem Teil der Truppe überwunden wurden - zumindest für eine ganzen Weile.

Thema Versorgung und Versorgungsfahrzeug!
Wir Läufer können es gar nicht oft genug sagen! Wir waren einfach nur dankbar! Dankbar für den Einsatz von Björn Hahn und Maximilian Winkler, der sich mit einem mehr als unkomfortablen Fahrzeug abquälte, um uns anständig zu versorgen. Björn hatte dazu noch die Aufgabe Fotos und bewegte Bilder zu schießen! Was wären wir ohne diese Unterstützung!

Nach gut 40 gelaufenen Kilometern war die erste Hälfte nach etwas unter vier Stunden erreicht! War das nun ein gutes Gefühl oder eher nicht! Wir waren uns da alle nicht so einig. Marcel war mehr als gut gelaunt und in Wort und Aktionismus kaum zu bremsen, was auch immer wieder zur Erheiterung der Truppe führte, Robin tat das, was er eben kann, laufen und entspannt dabei aussehen, Capitano beschäftige sich mit seinem Schuhwerk genau wie Yannick und Felix war sich nicht sicher ob er sich noch zwei-drei Löffel Stampf gönnen sollte, oder doch lieber noch einen Riegel.

Der erste richtige Tiefpunkt für fast die gesamte Truppe kam nach gut 50 gelaufenen Kilometern. Man merkte jetzt einfach, dass wir Neuland betraten, das wir vielleicht schon etwas früher mit der Energiezufuhr hätten beginnen können usw. Die Gespräche wurden deutlich weniger, auch wenn es immer mal wieder einen Vorstoß des ein oder anderen gab, auch musikalisch, bzw. Gesang bzw. nennen wir es probierten Gesang. Jedenfalls war die Stimmung innerhalb der Truppe, auch in diesen Downs, immer noch mehr als gut! Hin und wieder spielte man mit dem Gedanken sich für ein paar Minuten auf das Fahrrad zu setzen, aber man verwarf es dann auch wieder. 
Kilometer 55-65 liefen dann wieder recht gut, wir liefen weiter unterhalb von 6min/km und konnten das ein oder andere Muskelzucken wieder vergessen.

Es folgte dann bis Ende der Strecke ein up-and-down, das jeder in der Truppe durchlaufen musste und das gleich mehrmals. Selbst der Captain probierte es mal eine Zeitlang mit selbst gereimten Liedern, die zwar kurzzeitig zur allgemeinen Erheiterung führten, man aber dann doch feststellen musste: Singen gehört nicht zu seinen Talenten.

Ein Hoch bescherte uns kurzeitig auch eine gekaufte Flasche Cola! Es ist schon erstaunlich wie gut manche Dinge schmecken können, wenn man gefühlt am Ende seiner Kräfte ist - auch wie schnell der Körper in der Lage dazu ist, zugeführte Energie einzusetzen. Die Flasche 1,5L Cola kostet, wie uns am Ende des Tages von Max mitgeteilt wurde, im Übrigen 8,00€ mit Pfand! Da hatte sich die "nette" Dame am Kiosk, in the middle of nowhere, wohl gedacht: "Die sehen mal so richtig scheiße aus! Die bezahlen mir alles".
Die Acht Euro waren jedoch mehr als gut investiert und wenn wir eine alte Dame am Ende des Tages auch noch das Geschäft ihres Lebens beschert haben! Oh Happy Day.

Richtig brutal wurde es dann aber am Ende auf den letzten 12 Kilometern.
Wir motivierten uns immer mehr und auch lautstark. Wir wollten es unbedingt zu Ende bringen! Gemeinsam! Laufen, dann auch mal wieder 200-300 Meter gehen! Hauptsache wir schaffen es. Dann kamen auch endlich die ersten Fahrradweghinweise mit Kilometer Angabe! 11,5km bis Prerow! Ja, das schaffen wir! Immer weiter und weiter! Wir liefen, versuchten die letzten Tropfen Wasser aus den Flaschen zu drücken, Riegel und Essbares war mittlerweile auch ausgegangen. Dann ein Schild! 5,5 Kilometer bis zum Ziel! Ja, wir schaffen es! Weiter laufen, auch wenn wir nicht mehr die angepeilten 6min/km aufrecht erhalten können.

Die letzten Kilometer liefen wir wieder direkt an der Ostee auf einem eigentlich wunderbaren Fahrradweg. Eine Strecke, die dem Captain mehr als nur bekannt ist! Er blickte in die Ferne und erkannte eine Baumformation, vor der er genau wusste, ab diesem Punkt sind es genau noch 6 Kilometer bis zum Ausgangspunkt.

Wir dachten ALLE es wären nur noch ca. 3 1/2-4 Kilometer bis zum Ziel! Spätestens seit diesem Moment wussten wir alle was ZWEI Kilometer bedeuten können! Wir rissen uns immer wieder zusammen und versuchten uns zu konzentrieren, gibt es irgendwo noch etwas Süßes, einen Riegel, egal was! Hauptsache süß! Mit hartem Kampf schleppten wir uns weiter bis wir endlich das Ortschild von Prerow erblickten! Das gab uns den letzten Motivationsschub und bündelte bei uns noch mal alle Kräfte! Wir wussten, ab erreichen des Schildes, sind es "nur" noch 1.9km.

Mit diesem Ziel vor Augen und den Gedanke es tatsächlich geschafft zu haben! Mehr als 80km! Mehr als das Doppelte das die Meisten in der Truppe überhaupt erst gelaufen sind! Es beflügelte und wir kamen dann tatsächlich noch mal unter die 6 Minuten Grenze, aber das war uns einfach nur noch egal! Wir hatten es geschafft!
Gemeinsam haben wir unser selbstgestecktes Ziel erreicht!
Alles tat weh, die Energie war komplett aufgebraucht, aber wir hatten es geschafft!
Im Ziel angekommen versorgten wir uns erst einmal ausgiebig mit Getränken, um die Flüssigkeitsspeicher wieder zu füllen.

Als krönenden Abschluss gab es nach dem Abendessen noch einen Erdbeerkuchen. Da die ganze Truppe ziemlich müde war ging es früh ins Bett – Schlafen ist ja bekanntlich ein wichtiger Teil der Regeneration.

Es war ein erster gemeinsamer Test, auch ein Test für den Zusammenhalt innerhalb der Gruppe.
Wir haben ihn gemeistert. Wir wissen es ist noch viel zu tun um in Las Vegas vorne mitzumischen, aber wir sind auf einem guten Weg! Der Anfang ist gemacht.

Hier noch ein paar Impressionen von unserem Wochenende: