55KM oder Da haben wir jetzt kein Trost für dich!

Die Vorgabe war klar, heute müssen es mehr km werden als vor einer Woche! Bedeutet mindestens 51km wobei die 51 irgendwie nicht sexy klingt, deshalb gab es eigentlich nur eine Option für mich! 55 sollen es werden.

Am Abend vorher habe ich es mir schmecken lassen, es gab eines meiner absoluten vegetarischen Lieblingsgerichte: Marinierter Hokaidokürbis dazu Salat. Im Wissen das es am nächsten Tag wohl etwas länger wird, habe ich mir auch noch ca. 300-400gr Bananabread gegönnt (einfach nur der Knaller!).

Mit dem schlafen war das so eine Sache, vielleicht doch zu viel gegessen, dazu die momentan sehr aggressiven Pollen, geschlossenes Fenster, wärme Stau…das Ergebnis: Es war eine sehr unruhige und sehr schlaf arme Nacht die um 6.15Uhr endete.

Ok dachte ich mir, es ist eine gute Übung! Raus aus der Kiste, umgezogen, Gewürzequark angerührt, Grünen Tee aufgebrüht, Haferflocken abgeschmeckt (hatte ich schon am Abend vorher vorbereitet) und nun stand alles bereit vor mir.

Hunger oder Appetit? Mega Fehlanzeige! Egal, wer großes will muss…ihr wisst schon.

Da war es wieder, das Klopsgefühl um 6.45Uhr! Egal, denn ich wusste ja es legt sich nach 30-40min.

Meine neuen Brooks ST5 (verdammt sehen die GEIL aus) fühlten sich Top an, also ging ich das Risiko ein, mit einem eingelaufenen Schuh eine solche Strecke hinter mich zu bringen.

Das Wetter war schon am frühen Morgen perfekt und es fühlte sich trotz Klopsfeeling gut an zu starten. Der Neckar war mein Leitfaden und sollte mich gegen 9.15Uhr nach Stuttgart zu meiner GT Crew führen. Ich wusste ja, dass es viele Hobby-Angler gibt, aber Sonntag waren die Fische, die sich Samstag überfressen haben jedenfalls die glücklicheren. Warum die Jungs aussehen als würden sie in die letzte Schlacht ziehen?

Zurück zum Lauf….

Nach ca. 45 Minuten begann der persönliche Lauf-Terror und dieser überaus nervige Schmerz im rechten Fuß, um genau zu sein, ein Stechen in der Mitte der Fußsohle. Zunächst dachte ich das geht schon wieder weg, doch leider war dem nicht so. Nach gut einer Stunde stoppte ich kurz und versuchte mit einer kurzen Massage etwas Abhilfe zu schaffen. Es war besser, aber auch nur für ca. 20 Minuten. Mein Rhythmus und Tempo (5.05min-5.10min km) waren ganz ordentlich, aber dieser Mist lenkte mich ganz schön ab, auch ans Aufhören dachte ich zeitweise, doch dann bekommt man eben wieder solche Gedanken in den Kopf: „Alter, in Vegas gibt es kein Pardon!“.

Nach gut 90 Minuten habe ich dann den MP3 Player angeworfen, mit Musik läuft es sich ja bekanntlich etwas einfacher, zumindest für eine gewisse Zeit. Hatte ich schon erwähnt, dass an jeder zweiten freien Stelle am Neckar geangelt wurde? Ich glaube es waren alles KSK Spezialkräfte oder ein ähnliches Spezial-Kommando.

Zu trinken hatte ich 0,75L stilles Wasser eingepackt und es war definitiv Zeit mal ein paar Schluck zu nehmen.

Nach gut 2.20std traf ich dann endlich in Stuttgart am GT Treffpunkt ein. Es erwarteten mich frische junge Kräfte, naja zumindest denken das noch ein paar noch von sich…Wie dem auch sei, es war geradezu erfrischend! Endlich anständige Ablenkung oder sagen wir Ablenkung - alles besser als ICH und mein verdammter Stech-Fuß.

Zeit für eine paar Schluck Wasser. Ich klagte den Jungs mein Leid! Doch hatten sie da wohl nicht wirklich Trost für mich, immerhin will ich ja nach Vegas und da hat dann auch keiner Mitleid…

Schnell fanden wir innerhalb der Gruppe dann auch schon ein anderes „Opfer“, so war endlich für gute Abwechslung gesorgt, es wurde viel gelacht und man merkte kaum das wir weitere 15km runter geritten hatten bzw. ich dann ja schon gut 40. Natürlich teilte ich es der Gruppe dann auch immer mal wieder entsprechend mit.

Gegen 10.30Uhr wurde es dann auch schon so langsam angenehm warm - Zeit für einen weiteren Schluck Wasser und den ersten Gel-Chip. Beim Trinken bemerkte ich die gierenden Blicke meiner Mitstreiter - hatte ich schon erwähnt, dass ich sie gefragt hatte, also als ich beim Treffpunkt eintraf um 9.00Uhr, ob sie nicht etwas zu trinken mitnehmen wollen? Sie verneinten. 

Manchmal muss man eben durch learning bei feeling lernen!

Von mir gab es jedenfalls nichts.

Ok,  der Captain ist ja kein Unmensch, also habe ich nach weiteren 30 Minuten den Jungs angeboten in den nächsten McD. Zu springen und zwei Flaschen Wasser zu kaufen. Den Notfallgroschen habe ich fast immer bei mir.

Die Pause nutzte ich um meine Fußsohle zu massieren und etwas zu lockern.  

Nach knapp 4.25Std. erreichte ich dann endlich die 50KM Marke! Der Rest der Truppe lag zu diesem Zeitpunkt bei gut 28km. Die Kommunikation wurde spürbar weniger, dennoch blieb die Motivation recht weit oben! Zwei der Jungs waren bis zu diesem Zeitpunkt noch nie über 30km gelaufen! Und ich hatte die 55 vor Augen.

Der schwerste Teil der Strecke lag aber noch vor uns! 4KM stetig den Berg hinauf, was nicht unbedingt gerade der Motivationsbringer ist wenn man schon ein Weilchen gelaufen ist und dennoch! In der Gruppe läuft es sich eben am besten! Wir motivierten uns gegenseitig auf dem letzten Abschnitt und waren am Ende sehr glücklich alle unser persönliches Ziel erreicht zu haben.

Mein Schuh ist nun auch eingelaufen und freut sich auf weitere heftige Einheiten.

Der Brooks ST5 gehört zusammen mit dem Brooks T7 zu meiner absoluten Lieblings-Bereifung!

Es zwar ein stellenweise zäher Lauf, aber ich kann aus dieser Einheit auch viel Gutes ziehen! Manchmal muss man eben auf die Zähne beißen um seine Ziele zu erreichen.

 

Euer Captain