Bootcamp No. III

“Eine kleine Runde laufen” – Haben sie gesagt.
„Gehen wir mal wandern“ – Haben sie gesagt.

Dass wir uns wenige Wochen vor dem WTM nicht zu einer kleinen Runde Laufen oder zu einer Wanderung treffen, kann jeder, der uns kennt, an fünf Fingern abzählen. Nichtdestotrotz haben wir uns mit diesem Wochenende fast nochmals selbst übertroffen.

Nachdem das Las Vegas Reglement geändert wurde und wir nun nicht mehr als Staffel laufen, sondern alle von uns 24h Runde für Runde zusammen durch dick & dünn gehen werden, haben wir dementsprechend unseren Trainingsplan nochmals abgeändert und optimiert.

Für dieses Bootcamp nahmen wir uns vor, eine ordentliche Zeit auf den Beinen zu sein, um für den 24h Psycho-Krieg bestens gewappnet zu sein. Zusätzlich sollte nicht nur gelaufen werden, sondern der Laufrhythmus, wie es an den Hindernissen, durch den Schlafentzug und aufgrund der steilen Anstiege, immer wieder gebrochen werden. Und was bietet sich da besser an, als ein richtig knackiger Trail-Run?! Ein Lauf mit so abartigem Höhenprofil, dass er natürlicherweise nichts mit einem Lauf gemeinsam hat, aber dennoch eine so lange Distanz abdeckt, dass es nun mal auch unter keinen Umständen als Wanderung zu empfehlen ist. Und so sollte es dann auch sein.

Unsere Outdoor-Touren-App prognostizierte eine Wanderzeit von 17h bzw. eine Trail-Run Zeit von ca. 11 Stunden - Challenge accepted !
Mit den Brooks Cascadia bzw. Brooks PureGrit wurde morgens in Steibis (Allgäu) gestartet. Auch wenn der Himmel den ganzen Tag grau bleiben sollte, regnete es leider nur während des abschließenden und obligatorischen Badens im Gebirgsbach nach dem Laufen. Die ersten 10km zum Hochgrat, der höchste Punkt unserer Route, wiesen bereits knapp 1.000 Höhenmeter auf, so dass wir uns oft genug auf allen Vieren die Hänge hochrasten. Oben angekommen war Captain's erstes Selfie fällig, während sich Yannick, Robin und Marcel die Zeit mit Liegestützen vertrieben und die tolle Aussicht genossen.
Die nächsten Stunden ging es dann auf der Nagelfluhkette von Gipfel zu Gipfel, immer sehr knackig bergab und bergauf, während sich Oberschenkel und Waden nicht ganz einig waren, welche der beiden vertikalen Richtungen kräftezehrender sein sollte. 

Nach ca. 25km und 11(!) Gipfeln bahnten wir uns den Weg den Mittagberg hinunter Richtung Immenstadt, während die Beine bereits allen Grund hatten, sich schwer zu fühlen und die Batterien nach den 4h leer zu sein schien. Dennoch hatten wir erst gut die Hälfte hinter uns gebracht. Der kurze Gedanke, von der geplanten Route abzuweichen, um ein paar Höhenmeter auf dem Rückweg zu sparen, wurde schnell wieder aus dem Kopf geschlagen und so ging es in der Nähe von Immenstadt wieder auf die benachbarte Gipfelkette, um hier zurück zum Start zu laufen.

Nach einer kurzen Kaffeepause in einer netten Berghütte auf dem ersten Gipfel der Rücktour war genug Energie gesammelt, um zum Auto zurückzukehren. Auch wenn es von hier immer wieder einige Höhenmeter nach oben ging, waren die Berge hier deutlich flacher als auf der Hintour und konnten uns nicht davon abhalten, im Laufschritt Meter für Meter zu erklimmen. Überwiegend ging es allerdings bergab, sodass eine 5:30er Pace uns 2.5 Stunden nach dem Wendepunkt  zum Auto zurückführte. Unglaubliche 2.700 Höhenmeter zeigte der Trainingscomputer. Und 44,3 zurückgelegte Kiloemter. 44,3? So war das nicht geplant… Eine große Parkplatzehrenrunde ließ uns die 45km komplettieren. Die abschließende Sauna und das reichhaltige Abendessen will ja auch verdient sein.

Um die Doppelbelastung, wie sie in Langdistanz-Trainingsplänen genannt werden, zu komplementieren, hieß es am Sonntag dann gleich nach dem Frühtück: Brooks ST5 binden und zurück auf Beine – noch vor dem Frühstück, damit man sich auch so richtig energielos fühlt. Oh happy day! Beine und Gemüt waren wunderbar – wunderbar müde. Und wie auch schon am Vortag standen wir nach 23km, also 2km unter dem Ziel wieder vor dem Startpunkt. Eine große Beratung, was in einem solchen Fall gemacht wird, brauchte es eigentlich nicht. Der regenerierende Mango-Nuss-Heidelbeer-Zimt-Milchshake musste nochmal warten. Gute 10 min später hatten wir unser Ziel dann allerdings endgültig erreicht und genossen unser Sonntags-Frühstück, um gestärkt für die letzten 8 Wochen zu sein.