Bootcamp No. II

Freitag
Am Freitag starteten wir mit einer 2-stündigen Kickbox-Session, die Lucas und Marcel als Kickbox-Neulinge deutlich forderte, allerdings viel Spaß machte und die Krauftausdauer, vor allem im Oberkörper deutlich forderte, was die beiden in den nächsten Tagen merken würden. Zusätzlich wurde die Koordination gefragt und schließlich war diese Einheit eine nette Abwechslung zu den heftigen Wochenkilometerumfängen der Läufer.
Nichtsdestotrotz sorgten 1.5h Laufen vor dem Abendessen dazu, dass wir uns das Abendessen noch mehr schmecken lassen durften und wir durch den Laktatabbau am nächsten Tag in die wichtigste Einheit des Bootcamps starten konnten.

Samstag
Und mit dieser Einheit starteten wir gemeinsam um 7:00 Uhr morgens und somit noch vor dem Frühstück. Wettkampfnahe waren Intervalle á la Las Vegas vorgesehen – und zwar 6-8 Stück.
In Vegas wird immer eine Hälfte des Teams einen 8km Rundkurs mit ca. 250 Höhenmeter und vielen kräftezehrenden Hindernissen bewältigen, während die andere Hälfte pausiert; jede Runde wird gewechselt. Die Regenerationspause klingt zwar verlockend, bedeutet aber, dass die Winning Pace auf einem sehr hohen Niveau liegen würde.

Dementsprechend planten wir also auch unsere Intervalle. Hier liefen wir ebenfalls 8km mit 2 Flussdurchquerungen, 370 heftigen Höhenmetern und 3 „Pausen“, um jeweils 50 Liegestütz als Hindernissimulation zu bewältigen. Um bestmöglich für Las Vegas vorbereiten zu sein, war das Tempo auch mit deutlich unter 5:00min/km recht zügig, gerade wenn man die Höhenmeter bedenkt. Nach 45-50min haben wir die Intervalle jeweils hinter uns gebracht, bevor wir 45min pausierten. In der Pause versuchten wir, Flüssigkeits- und Nährstoffdefizite vorzubeugen und uns bestmöglich für das nächste Intervall zu erholen.  
Stolz und von unseren Fähigkeiten überzeugt konnten wir feststellen, dass wir auch laufbegeisterte andere Getting Tough Vereinsmitglieder auch in Intervall Nummer 3 und 6 mit unserer Geschwindigkeit beeindrucken und letzlich zum Abkürzen zwingen mussten. 
Jedoch merkte man im dritten Intervall schon, dass die Beine eine gewisse Schwere mit sich bringen. Doch wir wären nicht Getting Tough, wenn wir jetzt aufgeben würden und so sind die Zeiten, die wir über den Tag verteilt für die Intervalle benötigten, doch nicht deutlich langsamer geworden.
Am Ende des Trainings, knapp 12h nach Beginn des Trainings und 7 Intervallen, nachdem wir alles in allem 60km hinter uns gebracht hatten, mehr als 2.500 Höhenmetern, 14 Flussquerungen und 1.200 Liegestütz, beendeten wir das Training stolz, hungrig und erschöpft.

Aus unseren bisherigen Erfahrungen haben wir bereits viel gelernt und dementsprechen richtig während des Tages angewandt:

  • Ohne Mampf kein Kampf
  • Man regeneriert am besten, wenn man sich bewegt, massiert, die Black Roll nutzt oder Kaltwasserbäder nutzt, auch wenn der Kopf sagt: „Leg dich endlich hin und lass mich schlafen!“
  • Egal ob mit Pausen oder nicht, 60km sind 60km und daran müssen Muskeln, Gelenke und der Kopf gewöhnt sein
  • Supporter sind unheimlich wichtig. Ohne die tolle Verpflegung während des Trainings mit selbstgebackenem Brot und tollen Suppen wird es echt haarig, die Nährstoffverluste auszugleichen. Zusätzlich geben einfache Sachen, wie eine Karottensuppe in der nächsten Pause, einen enormen Motivationsschub
  • Kohlenhydrate sind nicht genug. Salze, Eiweiße und die „geschmackliche Belohnung“ sind mindestens genauso wichtig und gehören in unseren Vegas-Ernährungsplan 
  • 12h Stunden haben wir schon mal durchgestanden, allerdings ist das gerade einmal 50% des 24h WTM Wettkampfs. Zusätzlich sind wir immer noch Menschen oder zumindest Halbmenschen. Die Erschöpfung kommt und Vegas wird definitiv kein Spaziergang. Wieder einmal wurde jedem einzelnen von uns gezeigt, wo genau er seine Schwächen hat und woran es noch zu arbeiten gilt
  • Momente der Erschöpfung sind höchstemotional. Tolle Teams, wie wir eines sind, wissen sich gegenseitig zu motivieren und schwierige Momente gemeinsam durchzustehen
  • Brot, Schinken und all die anderen Sachen sind mega lecker, hängen aber auch nach gutem Kauen auf den ersten Kilometern nach der Pause schwer im Magen. Jeder muss hier experimentieren, um die für ihn perfekte Ernährung zu finden

Trotz großer Erschöpfung lief das letzte Intervall fast wie von alleine. Das Rinderfilet duftete gefühlt schon nach dem Loslaufen; überraschenderweise stellten wir trotzdem keine Intervall-Bestzeit mehr auf.
Nachdem wir den Abend gemütlich haben ausklingen lassen, fielen wir am frühen Abend ins Bett, um am nächsten Tag fit für unseren Sauerstofflauf zu sein.

Sonntag
Noch vor dem Frühstück begaben wir uns bei wunderschönem Wetter, zusammen mit 2 weiteren Vereinsmitgliedern mit noch immer sehr müden Beinen auf einen 30km-Lauf in einer entspannten Pace. 
Auch wenn diese sonst für uns unspektakuläre Kombination aus Distanz und Geschwindigkeit normalerweise kein Problem für uns darstellt, freuten wir uns doch gewaltig auf die Abkühlung im Bach und das anschließende Frühstück, was gleichzeitig das Ende unseres Bootcamps bedeutete.
Ein weiteres Mal hatten wir viel Spaß und haben alles aus uns herausgeholt. Unsere Freude und unseren Willen, Vegas zu rocken ist kaum in Worte zu fassen. 
Getting Tough !